Schwanger

Ich liebte es schwanger zu sein. Wir hatten schon lange probiert ein Kind zu bekommen und endlich war es soweit. Ich genoß die Schwangerschaft. Wir zogen in eine größere Wohnung um, richteten ein zauberhaftes kleines Babyzimmer ein. Ich freute mich riesig auf die Erweiterung unserer kleinen feinen Familie.

Dann war es soweit. Ich musste zur Kontrolle ins Krankenhaus. Die haben mich dann gleich dabehalten, weil die Herztöne des Babys nicht in Ordnung waren. Damit begann das warten. Nach zwei Tagen kamen dann auch Wehen. Wir gingen abends in den Kreissaal. Und nach quälenden, schmerzvollen, tränenreichen 13 Stunden war unser erstes Kind endlich da. Er hat die ganze Zeit an meiner Seite verbracht. Und nachdem ich all die anderen Babys bei ihrem ersten Schrei zugehört hatte, war ich doch etwas traurig das unser Kind keinen Mucks machte. Man zeigte es mir kurz und ging dann gleich damit. Nach ein paar Minuten kamen sie wieder und legten mir das kleine Bündel in den Arm. Es war ein Wunder.

Nachdem wir wieder zu Hause waren begann eine furchtbar anstrengende Zeit. Leider hatten wir ein Schreikind mit allem drum und dran. Ich kam zu gar nichts mehr. Mein Mann war viel auf Arbeit und wenn er nach Hause kam, nahm er sich das Baby und kuschelte mit ihm. Dann war alles in Ordnung. Ich durfte mich dann um den Haushalt kümmern und er verstand nicht, warum ich das nicht den ganzen Tag über machen konnte. Ihn störte das, weil er doch seine Ruhe brauchte.

Ich fühlte mich immer mehr in die Ecke gestellt. Hausfrau, Putze, Nanny. Ich wollte doch seine Frau sein. Aber er wurde immer härter, immer mehr der Businessmann. Und ich hatte nichts mehr außer dem Baby und den Haushalt. Mehr und mehr fühlte ich mich wertlos. Denn er war nicht etwa zufrieden mit dem was ich machte. Nein, ER hätte das alles besser gekonnt. Denn komischerweise, das Kind war ruhig und artig wenn er da war. Allerdings erlaubte er auch alles und machte in der Erziehung alles anders als ich.

22.11.11 10:29

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


lia / Website (25.11.11 11:17)
Hallo meine Liebe,

es ist sehr traurig zu lesen, wie sich das gewendet hat. Erst dieses unglaublich große Glück einem Kind das Leben zu schenken, dass Teil von einem selbst und Teil des Menschen, den man liebt, ist.
Und dann diese Wandlund, seine Härte, seine Unzufriedenheit, deine plötzlich andere Position in seinem und deinem Leben. Das ist wirklich, wirklich traurig. Es tut mir sehr leid, dass sich das so entwickelt hat.
Wie lange ging das so?

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